Behandlungsmethoden - Knie

Mikrofrakturierung / Micro Drilling

Bei der Mikrofrakturierung wird während einer Arthroskopie die Knochenfläche unterhalb des Knorpels angeritzt, ein Teil des geschädigten Knorpels wird abgetragen und anschließend mit ca. 3 mm tiefen Löchern perforiert. Hierdurch wird die Bildung von Faserknorpel angeregt, der sich in etwa vier Wochen über die behandelte Gelenkfläche hinweg entwickeln soll. Diese Behandlungsmethode wird vorrangig bei Kniegelenkdefekten eingesetzt.

Die Technik des Micro Drilling (Mikrobohrung) funktioniert ähnlich wie die Mikrofrakturierung. Die Blutung wird jedoch durch ein anderes Instrumentarium (z.B. medizinische Meißel) herbeigeführt.

Knorpeldefekte mit einem Durchmesser von mehr als 15 mm werden generell mit intensiveren, bspw. mit einer der folgenden Maßnahmen, behandelt:

Mosaikplastik (Knorpel-Knochen-Transplantation)

Bei dieser Technik wird eine Serie von Instrumenten genutzt, um einen oder mehrere zylindrische Zapfen Knorpelgewebe und Knochen aus dem umliegenden gesunden Gewebe zu gewinnen. Das transplantierte Gewebe wird in den Defekt hineinimplantiert. Die Gewebeteile werden dicht nebeneinander – wie bei einem Mosaik - eingebracht. So soll erreicht werden, dass eine neue Oberfläche aus hyalinem Knorpel entsteht.

Diese Therapie wird nur an wenigen Instituten durchgeführt, da sie technisch herausfordernd ist. Die Ergebnisse bei Patienten haben sich, abhängig von Patientenauswahl und Expertise des Operateurs, als sehr unterschiedlich erwiesen.

Weiterhin konnte keine konsistente Schmerzreduzierung erreicht werden. Eine längere post-operative Schonung und eine passive Bewegung des Gelenkes gehören zu den Erfolgsfaktoren dieser Methode. Die Mosaikplastik wurde Mitte der 1990er Jahre bevorzugt angewandt.

Autologe Chondrocyten-Transplantation (ACT)

Das ACT ist eine therapeutische Maßnahme, bei der Patienten gesunde hyaline Knorpelzellen während einer Arthroskopie entnommen werden. Die Knorpelzellen werden in vitro (außerhalb des Körpers) in einem Labor vermehrt. Anschließend werden die Zellen in den Defekt hinein injiziert. Diese Technik wird als noch nicht ausgereift beurteilt.
Einseitiger (unikondylärer) Kniegelenkersatz

Der einseitige (oder unikondyläre) Kniegelenkersatz ist eine einseitige Version des totalen Kniegelenkersatzes an der Kondyle. Diese Implantate benötigen sowohl eine femorale als auch eine tibiale Komopente. Es wird jedoch nur eine Seite des Oberschenkelknochens ersetzt.
HemiCAP Knie Resurfacing

Die rekonstruierende Arthroplastik stellt die Gelenkoberfläche des Knochens wieder her. Bei dieser Methode wird lediglich der geschädigte Anteil des Gelenks ausgefüllt. Im Vergleich zum totalen Gelenkersatz muss daher nur ein geringer Anteil des Gewebes entfernt werden.

Das runde, kappenförmige HemiCAP Implantat zur Abdeckung des Gelenkdefekts besteht aus einer Kobalt-Chrom-Legierung. Diese Materialzusammensetzung hat sich bereits seit Jahrzehnten in der Totalendoprothetik bewährt. Es hat sich als sicheres und sehr belastbares Material insbesondere in stark belasteten Gelenken erwiesen.
Die HemiCAP Knie-Implantate rekonstruieren exakt die Gelenkoberfläche und füllen somit die Defekte und erzeugen eine glatte, ebenmäßige Oberfläche.

Totalendoprothetik

Bei Patienten mit größeren Gelenkdefekten ist häufig ein totaler Gelenkersatz erforderlich. Die Behandlung erfordert ein höheres Abtragen des Knochens, damit anschließend die Prothese implantiert werden kann. Patienten, die sich einer Behandlung mit einem totalen Gelenkersatz unterziehen, gewinnen meist den Grad ihres bisherigen Lebensstils bzw. ihres bisherigen Aktivitätslevels zurück. Allerdings ist die Behandlung mit einer längeren Phase der Rehabilitation verbunden, die mehrere Monate oder länger in Anspruch nehmen kann.

Generell wird Patienten ein Zeitraum von ca. 20 Jahren als Lebensdauer für ihre Totalendoprothese prognostiziert, klinisch belegt ist jedoch eine Lebensdauer von etwa 8 – 10 Jahren. Jede nachfolgende Prothese (auch Revision genannt), so hat es sich gezeigt, ist mit einer kürzeren Lebensdauer verbunden.

Zudem verringert sich mit jeder Revision die verbleibende Knochensubstanz, was die Verankerung der Prothesen zunehmend schwieriger gestalten kann. Verlust von Knochensubstanz als Folge einer Gewebereaktion, Implantat-Lockerungen, Implant-Vorbereitung können zu Herausforderungen bei der Verankerung von Prothesen führen.

Da Revisionen oder Ersatz von Totalendoprothesen zu vermehrten Komplikationen führen können und die Rehabilitation älterer Patienten schwierig sein kann, wird versucht, die Totalendoprothetik so lange wie möglich herauszuzögern. Daher wird eine Totalendoprothese bei Patienten unter 60 Jahren nur sehr zurückhaltend eingesetzt. Ähnlich verhält es sich bei der Totalendoprothese für das Knie.